
Osterfestival der Kunsthochschulen am Maxim Gorki Theater
Die Studierenden des zweiten Jahrgangs Schauspiel sind mit den szenischen Projekten STELLA / IRRLICHT und SOLDATEN zur Teilnahme am Osterfestival der Kunsthochschulen, das am 3. und 4. April 2010 im Maxim Gorki Theater in Berlin stattfindet, eingeladen.
Zu Ostern gehören die Bühnen des MGT Berlin traditionell dem Nachwuchs – für zwei Tage und Nächte ist das Theater am Kastanienwäldchen zur Hausbesetzung freigegeben. In insgesamt 23 Vorstellungen Studierende bühnenorientierter Kunsthochschulen präsentieren, was im Wintersemester erarbeitet wurde. Das Ziel: Eine breit angelegte Werkschau, die einen Eindruck von der Vielfalt der ästhetischen Ansätze, künstlerischen Programme und der unterschiedlichen Spiel- und Denkweisen der Hochschulen und ihrer studierenden Künstler gibt. Für alle Beteiligten wird’s schönstenfalls ein aufregendes Wochenende der Begegnungen jenseits von Konkurrenz und Wettbewerb; für alle Interessierten dieser Stadt bietet sich die Gelegenheit, sich einen einzigartigen Überblick über das zu verschaffen, was sonst nur für kleine Fach- und Freundeskreise sicht- und hörbar wird.
Beteiligt sind neben den großen Berliner Schauspielschulen UdK und HfS „Ernst Busch“ die HFF Potsdam Babelsberg, die Hamburger Theaterakademie, die Hochschule für Musik und Theater Rostock sowie die HMT „Felix Mendelssohn-Bartholdy“ Leipzig. Neu dabei sind in diesem Jahr junge Talente der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, Ludwigsburg, der Universität Hildesheim - Institut für Medien und Theater und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main. Von abendfüllenden Inszenierungen, selbstgearbeiteten Monologen über Puppenspielproduktionen bis hin zu Performances ist die ganze Bandbreite des künstlerischen Nachwuchses zu erleben.
STELLA nach Goethe
IRRLICHT nach Louis Malle
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Zwei Frauen. Ein Mann, der zwischen beiden Frauen hin und her gerissen ist. Eine ideale Grundkonstellation für eine Ménage à trois. Aber sind polygame Beziehungen überhaupt möglich? Wie sähe eine Beziehung zu dritt aus? Dieser Frage ging Johann Wolfgang von Goethe – sehr zur Verärgerung der sittenstrengen Bürger - vor über 200 Jahren nach. Seine literarischen Antworten, die uns heute vorliegen, sind in zwei Varianten enthalten: Stella. Ein Schauspiel für Liebende aus dem Jahr 1776 und Stella. Ein Trauerspiel aus dem Jahr 1805. Glaubte Goethe in der ersten Fassung noch an einen positiven Ausgang mit einem Quasiplädoyer für die polygame Lösung, zeigt er in der späteren Version des Stückes die Unmöglichkeit dieser Variante und konfrontiert uns mit zwei Selbsttötungen als einzig mögliche Auswege aus der dilemmatischen Situation der Liebenden. Zwei Leichen, eine Frau, die als Liebende und Leidende zurückbleibt. Schluss mit der utopischen Vorstellung einer Beziehung zu dritt. Was aber macht diese Unmöglichkeit aus? "Wir sind unsere eigenen Teufel, wir vertreiben uns aus unserem Paradiese", schreibt Goethe in einem Brief. Ist das Teuflische in uns, den Liebenden, der Sprachdämon, der uns antreibt, uns selbst zu verletzen, indem wir Angst- und Verzweiflungsbilder der Liebe wie Eifersucht, Verlassenwerden, Begierde usw. aufrufen, große Blasen aufblähen, die kaum aufgestiegen schon zerplatzen, um uns dann in anderen Bildern zu ertränken?
Mit dieser Fragestellung nähern sich Schauspielschüler der Akademie für Darstellende Kunst aus dem 2. Jahrgang in der Regie von Werner Heinrichmöller Goethes Stella an und erweitern und transferieren die Auseinandersetzung um die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Liebenkönnen in eine Welt, in der die letzten Blasen geplatzt undkeine weiteren mehr aufzusteigen scheinen. Im zweiten Teil des Abends wird mit Das Irrlicht, einer Adaption nach dem gleichnamigen Film von Louis Malle aus dem Jahr 1963 und dem gleichnamigen Roman von Drieu la Rochelle aus dem Jahr 1931, die letzten Tage eines Mannes gezeichnet, der in einer fassadenhaften, oberflächlichen Welt der losen Beziehungen nicht mehr liebesfähig sein kann und will und keinerlei emotionale Verbindung einzugehen vermag. Dieser Mann hat seinen eigenen Sprachdämon zum Schweigen gebracht und das Paradies verlassen.
Er wünscht sich zwar eine klaffende Liebeswunde um bleiben zu können, doch nichts kann ihn mehr berühren. Er ist zu seinem eigenen Beobachter geworden und beendet schließlich seine aktive Passivität durch den Entschluss, die einzig mögliche Verbindung mit dem Leben einzugehen: der Selbstmord.
Regie: Werner Heinrichmöller
Regieassistenz: Toni Meyer
Dramaturgie: Hayat Erdogan
Es spielen: Karoline Fritz, Odine Johne, Leo van Kann, Leon
Pfannenmüller, Vera Streicher, Toni Meyer
DIE SOLDATEN
nach Jakob Michael Reinhold Lenz
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Lenz, einer der wichtigsten Vertreter des „Sturm und Drang“, heute beinahe in Vergessenheit geraten, schuf 1776 das heftig umstrittene Werk „Die Soldaten“. Darin verarbeitete Lenz seine eigenen Erfahrungen als Soldat. Lenz kritisierte den Umgang, den die Soldaten mit jungen Mädchen an den Tag legten: Avancen, Schwängerung, links liegen lassen. Nicht nur auf dem Schlachtfeld fielen die Kriegsgegner, auch in den Dörfern sprach man von „gefallenen“ Frauen, deren letzter Ausweg das Kloster war.
Unter der Leitung von Hilde Stark erarbeiteten sechs Schauspielstudenten der ADK einen Theaterabend, der sich vor allem mit der Problematik des „Wartens“ auseinandersetzt. Die Frauen warten darauf, dass die Männer aus dem Krieg heimkehren. Die Männer warten darauf, dass der nächste Einsatz kommt. Warten als zermürbende und anstrengende Tätigkeit. In Improvisationen tasteten sich die Studenten an den Stoff heran und ließen ihre eigenen Gedanken einfließen. Es entstand ein Arbeit, die den über 200 Jahre alten Theatertext nah an unsere Gegenwart heranholt und in der auch Musik nicht zu kurz kommt.
Regie: Hilde Stark
Regieassistenz: Michael Wächter
Dramaturgie: Marianne Strauhs
Es spielen: Karoline Fritz, Michaela Schulz, Natascha Kuch, Benjamin
Wesener, Fridolin Sandmeyer, Kais Setti

