Woche junger Schauspieler 2010


In dem Stück "Ehrensache" von Lutz Hübner eröffnet Hadi Khanjanpour, Schauspielstudent des ersten Studienjahres, im Parktheater Bensheim die Woche der jungen Schauspieler.

Ehrensache
Von Lutz Hübner

11. Mai 2010, 20.00 Uhr
Theater Peripherie, Frankfurt

Besetzung: Arasch Farugie (Cem), Deniz Kezer (Ellena), Hadi Khanjanpour (Sinan), Anja Arncken (Ulli), Hartmut Volle (Kobert)

Regie und Bühne: Alexander Brill
Regieassistenz: Snežana Golubović
Kostüm: Nadja Kaster

Zwei türkische Jungen lernen zwei Mädchen kennen, es ist Wochenende, und man verabredet einen Ausflug nach Frankfurt, in die Großstadt, will sich einen schönen Tag machen. Doch am Ende dieses Tages liegt eines der Mädchen tot auf einem Rastplatz, mit mehr als dreißig Messerstichen regelrecht abgeschlachtet, und ihre zwei Jahre jüngere Freundin überlebt schwer verletzt, nur weil die Täter sie für tot halten.

Zwar sind die Täter schnell gefasst, doch was genau an diesem Tag passiert ist, bleibt unklar: Je nach Perspektive gibt es ganz unterschiedliche Versionen und Vorstellungen davon, was zu einem solchen Exzess von Gewalt geführt hat. Woher kommt die Brutalität mit der die beiden Jungen, die als freundlich und angepasst galten, zugestochen haben? Welche Rolle spielen Frauen- und Männerbilder in dieser Geschichte?

„Frauen muss man ehren.“ Für Cem ist das eine ganz klare Sache. Er sitzt im Knast und spricht mit dem Psychologen, der ein Gutachten über ihn erstellen soll. Er erklärt dem Gutachter, was er vom weiblichen Geschlecht im Allgemeinen und im Besonderen hält: „Es gibt Frauen und es gibt Schlampen.“

Die Darsteller, alles Laiendarsteller mit Wurzeln aus der Türkei, Afghanistan, Holland, dem Iran und Deutschland, geben ihren Figuren in Ehrensache eine außergewöhnliche Authentizität. Dafür wurden sie bei den Hessischen Theatertagen 2009 mit dem Nachwuchspreis für die beste darstellerische Leistung ausgezeichnet.

„Dieses klug inszenierte Stück hat die Wirkung, wie Theater sie haben sollte: Am Ende sitzt der Betrachter stumm vor Staunen da, mit einem Kopf voll offener Fragen.“

Rainer Schulze, Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Auch dank des bemerkenswerten Schauspieltalents des jungen Ensembles beweist das Theater Peripherie schon mit seiner ersten Inszenierung, dass es nicht am Rand, sondern mitten in der Gesellschaft seinen Platz hat.“

Nora Binder, Frankfurter Rundschau



zurück