Der Günther-Rühle-Preis 2010 geht an „Ehrensache“


Zum Abschluss der "Woche junger Schauspieler", die zum 15. Male in Bensheim statt fand, wurde der Preis für die beste schauspielerische Leistung zu gleichen Teilen an die Produktionen „Ehrensache“ von theaterperipherie Frankfurt und an „Italienische Nacht“ vom Staatsschauspiel Dresden vergeben.

Das Votum des Bensheimer Publikums ging ebenfalls an „Ehrensache“ von theaterperipherie.
98% der Zuschauer bewerteten die Inszenierung sehr positiv. Das Ensemble gewann 2009 bei den hessischen Theatertagen in Marburgbereits den Preis für die besten NachwuchsschauspielerInnen.

Die Jury: Jeannette Giese, Jürgen Flügge, Moritz Pliquet

Die Begründung der Jury:

Selten haben wir junge Darsteller so persönlich - aber nie privat - auf der Bühne erlebt wie in der Frankfurter Inszenierung von „Ehrensache“, selten so ehrliches und direktes Spiel, frei von jeglichem Manierismus. Die vier jungen Darsteller (Arasch Farugie, Hadi Khanjanpour, Deniz Kezer, Anna Arncken), alle vier nichtausgebildete Schauspieler, unterstützt von einem erfahrenen Kollegen (Hartmut Volle), erzeugen die Illusion, dass die Geschichte von Stolz, Eifersucht und Gewalt von ihnen selbst handelt, dass sie selber dieseFiguren leben. Die Entwicklung der Figuren ist fern von jedem Klischee und vor allem jeder Verurteilung. Sie ist bis in die Extreme glaubhaftund deswegen so beklemmend.

Dabei stellen die vier Darsteller herausragende individuelle Fertigkeiten unter Beweis:

Arasch Farugie alias Cem nimmt man den netten Jungen in der Discoebenso ab, wie den völlig entrückten Messerstecher, den gekränkten Macho und den winselnden Untersuchungshäftling.

Hadi Khanjanpour zeigt als Sinan ein so unglaubliches Talent für Sprachwitz und Komik, dass man nicht glauben möchte, aber leider glauben kann, dass dieser sympathische Junge am Ende auch zum Messergreift. Die Wechsel zwischen den Dialogen mit dem Gerichtspsychiater Kobert (über Mikrofon: Hartmut Volle) und den Rückblenden auf den Tagder Tat meistern diese beiden jungen Männer mit Bravour.

Deniz Kezer zeigt uns die Türkin Ellena als starke, emanzipierte junge Frau, die mutig und frech mit ihrer Unabhängigkeit provoziert und dafür mit dem Leben bezahlt.

Anna Arncken als Ulli lässt uns in vielen stillen Momenten an derAngst und dem Entsetzen über das Unfassbare direkt teilhaben. Hartmut Volle ist die nüchterne stimme aus dem off, der Gegenpol und das Ventil für alle Aggressionen und Ängste der beiden Täter. Herausheben möchten wir auch die behutsame, unaufdringliche Regiearbeit von Alexander Brill, die den Darstellern diese große Leistung ermöglicht.

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